Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Stadtrat Kierspe setzt sich konsequent für eine nachhaltige, ökologische und finanzpolitisch verantwortungsvolle Entwicklung unserer Stadt ein. Auch das Dorfentwicklungskonzept für Kierspe-Dorf unterstützen wir weiterhin ausdrücklich. Dennoch müssen wir jede einzelne Maßnahme kritisch prüfen – besonders angesichts der aktuellen Haushaltslage.
Nach sorgfältiger Bewertung lehnen wir die vorliegende Planung zur Umgestaltung des Dorfplatzes „ehemals Fahrrad Haase“ ab. Unsere Gründe im Überblick:
1. Zu hohe Kosten bei zu geringem Nutzen

In der Ratssitzung wurde sehr deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum derzeit ist. Unsere stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anke Pies betonte: „Wir kämpfen um jeden Euro im Haushalt.“
Sie machte außerdem klar, dass die finanzielle Prioritätensetzung fragwürdig erscheint, wenn gleichzeitig wichtige Aufgaben nicht geleistet werden können: „Wir können uns aufgrund der Haushaltslage keine bezuschusstes Deutschlandticket für Schüler*innen leisten – und hier geben wir unnötig Geld aus.“
Diese Aussagen spiegeln genau das wider, was wir als Grüne Fraktion kritisch sehen: Eine Maßnahme mit geringem tatsächlichem Mehrwert soll finanziert werden, während an anderer Stelle dringend benötigte Leistungen ausfallen.
2. Die versiegelte Fläche wird kaum wirklich entsiegelt

Nachhaltige Stadtentwicklung lebt von echter Entsiegelung, mehr Grün und einer Verbesserung des Mikroklimas. Der vorliegende Plan sieht jedoch lediglich eine minimale Entsiegelung vor.
Unser Fraktionsvorsitzender Detlef Jungmann sagte dazu im Rat: „Wir freuen uns über jede sinnvolle Entsiegelung von Plätzen, aber hier ist die Entsiegelung nur minimal.“
Tatsächlich wird der überwiegende Teil weiterhin versiegelt bleiben und lediglich ummöbliert – ohne nennenswerten ökologischen Effekt.
3. Abweichung vom ursprünglichen Planungsgebiet
Die Verschiebung des Projekts aufgrund geplanter Kanalarbeiten führt dazu, dass die Maßnahme nicht mehr im ursprünglich vorgesehenen Gebiet umgesetzt wird. Damit entfernt sich das Projekt von den strategischen Zielsetzungen des Dorfentwicklungskonzepts und verliert an fachlicher Grundlage.
Ein Projekt, das nicht mehr im ursprünglich definierten Entwicklungsbereich liegt, kann die beabsichtigte städtebauliche Wirkung nur eingeschränkt erfüllen.
4. Notwendiger Verweis in den zuständigen Ausschuss
Die Planung wirft weiterhin Fragen auf – sowohl hinsichtlich ihrer Wirkung als auch ihrer Kosten. Daher halten wir es für sinnvoll und notwendig, das Thema in den zuständigen Fachausschuss zurückzuverweisen. Nur dort kann eine fachlich fundierte Debatte stattfinden, die auch mögliche Alternativen berücksichtigt.
5. Eine Fahrrad-Reparaturstation ist ein positives Signal
Trotz unserer Ablehnung erkennen wir an, dass einzelne Elemente des Entwurfs durchaus positiv sind.

Unser Ratsmitglied Ralf Meyer hob beispielsweise hervor, dass die vorgesehene Fahrrad-Reparaturstation ein wichtiges Zeichen für eine fahrradfreundliche Stadt sei. Er sagte: „Eine Fahrrad-Reparaturstation setzt ein Zeichen für eine fahrradfreundliche Stadt und gibt Hoffnung, dass Kierspe zukünftig mehr für Fahrradfahrer bereitstellt und hoffentlich auch die Fahrradwege endlich kommen.“
Wir teilen diese Einschätzung ausdrücklich – denn eine nachhaltige Mobilitätswende gelingt nur, wenn Radfahrer*innen eine verlässliche Infrastruktur bekommen. Doch eine einzelne gute Idee kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesamtentwurf an entscheidenden Stellen nicht überzeugt.
6. Wir stehen zum Dorfentwicklungskonzept – aber nicht zu diesem Entwurf
Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir das Dorfentwicklungskonzept weiterhin voll unterstützen. Doch der aktuelle Plan entspricht weder den räumlichen Festlegungen noch den ökologischen Zielen des Konzepts.
Wir fordern daher eine grundlegende Überarbeitung, die:
- echte Entsiegelung schafft,
- die ökologische Qualität erhöht,
- das ursprüngliche Entwicklungsgebiet berücksichtigt
- und finanziell verantwortbar umgesetzt werden kann.
Fazit
Die geplante Maßnahme ist zu teuer, bietet zu wenig Nutzen, erzeugt nur minimale ökologische Effekte und entfernt sich vom ursprünglichen Konzeptauftrag. Wir setzen uns dafür ein, dass der Entwurf im Fachausschuss überarbeitet und die Maßnahme in eine nachhaltige, zielgerichtete und finanziell verantwortliche Richtung weiterentwickelt wird.







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